Sie kamen aus verschiedenen Gemeinden (z.B. Charlottenburg, Reinickendorf, Falkensee, City-West, Potsdam und Brandenburg) und werden vom „Runden Tisch Trauerbegleitung“ der Gebietskirche Nord- und Ostdeutschland unterstützt und geschult, bevor sie offiziell als Trauerbegleiter/innen in ihren Gemeinden eingesetzt werden.
Was passiert aktuell in den Gemeinden?
Zu Beginn ging es wie immer um Erfahrungen aus den Gemeinden. Es wurde berichtet, dass die Trauerbegleitung im Ämterkreis einiger Gemeinden vorgestellt wurde. Die Reaktionen waren überwiegend positiv. Man war erfreut und sah in der Trauerbegleitung eine Chance, mehr über das Thema zu erfahren oder entlastet zu werden. Es gab aber auch skeptische Reaktionen, vielleicht wurde sogar eine Art Konkurrenz vermutet oder man fühlte sich in seiner jahrelangen Seelsorge nicht genügend anerkannt?
Ein weiteres Thema war das Selbstverständnis der Trauerbegleiter/innen. Sensibilität und Freiwilligkeit werden groß geschrieben. Ein Zugehen auf Trauernde ist dann möglich, wenn sie eine Offenheit für eine Begegnung signalisieren. Ist man mit einer Schwester oder einem Bruder gut bekannt, fällt die Einschätzung leichter, ob eine Ansprache gewünscht ist.
Jeder in der Runde hat etwas andere Schwerpunkte der Trauerbegleitung, abhängig von der zur Verfügung stehenden Zeit und der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Wichtig dabei ist es, sich nicht zu überfordern, sondern das gut zu machen, was einem liegt. So bieten einige sehr gerne Gespräche an, die auch dankbar angenommen werden. Andere wiederum ziehen es vor, Gruppen für Trauernde (Trauercafé, Gesprächskreis, offenes Angebot) anzuleiten, die nicht in jeder Gemeinde angesiedelt sein müssen, weil der Bedarf so nicht besteht. Dennoch wäre bei 17 Gemeinden des Bezirks Berlin-Brandenburg West noch Luft nach oben. Dabei sind Absprachen über eine örtlich sinnvolle Verteilung und zeitliche Versetzung der Angebote wünschenswert, damit man sich ergänzen kann.
Aktuell gibt es im Bezirk drei Gruppenangebote für Trauernde in den Gemeinden Potsdam, Charlottenburg und Brandenburg a.d.H. Die Teilnehmenden kommen auch aus anderen Gemeinden wie z.B. Bad Belzig und Spandau, City-West, Reinickendorf oder Schmargendorf. Auch Geschwister aus Kreuzberg und Lichtenberg sind dabei.
Während im Trauercafé und Trauergesprächskreis gezielt Gespräche der trauernden Geschwister mit Hilfe kreativer Methoden angeregt werden, ist das Trauercafé „Kümmerkasten“ in Brandenburg ein recht niederschwelliges, offenes Angebot. Es kommen vor allem verwitwete, einsame Geschwister, die nicht unbedingt gleich über ihre Trauer sprechen, aber etwas zusammen mit anderen erleben wollen. In familiärer Atmosphäre wird gemeinsam gekocht und gegessen, die Gesprächsthemen ergeben sich im tröstlichen Zusammensein. Es gibt auch Gedenkminuten bei Kerzenlicht oder es werden Gedenksteine bemalt. Dabei wird der Weg zu den beiden Trauerbegleiter/innen geebnet, die das Zusammensein organisieren. Die teilnehmenden Geschwister wissen, dass sie die beiden jederzeit ansprechen können und ein Austausch unter vier Augen möglich ist.
Wie kann ein Trauergesprächskreis gestaltet werden?
Im zweiten Teil des Vernetzungstreffens wurde der Ablauf eines Trauergesprächskreises vorgestellt. Dabei wurden die Anwesenden direkt einbezogen. Aus der Vielfalt an möglichen Inhalte und Methoden wurde das Thema „Strategien der Trauerbewältigung“ für den zu präsentierenden Gesprächskreis ausgewählt.
Zum Einstieg („warming up“) wurde darum gebeten, sich spontan eines der vielen Bilder auszuwählen, die am Nebentisch ausgelegt waren. Bilder sprechen uns direkt auf der Gefühlsebene an, hemmende Überlegungen können dadurch in den Hintergrund treten. In einer sog. „Blitzlicht-Runde“ wurde reihum eine kurze Begründung zur Auswahl gegeben. Durch das Teilen von Gefühlen und Eindrücken ist man sich schon ein ganzes Stück näher gekommen.
Dann stand die Frage im Mittelpunkt: Was tröstet mich und was baut mich auf? Was kann ich selbst dafür tun? Um Antworten anzuregen, wurde zunächst ausgeführt, dass Trauernde bei Befragungen ganz verschiedene Bewältigungsstrategien benannt haben. Die vielfältigen Strategien lassen sich grob folgenden Stichpunkten zuordnen („clustern“):
- Ablenkung suchen (Welche wähle ich für mich?)
- Rituale pflegen (Welche haben besonderer Bedeutung für mich?)
- Trauer zulassen (Kann ich mir z.B. ein Zeitfenster zum Gedenken einrichten?)
- Auszeit schaffen (Raum zum Ausruhen finden – welchen?)
- Hilfe annehmen (Kann ich Hilfe suchen, welche ist mir wichtig?)
- Sich auf den Glauben zu besinnen (Welche Gedanken bauen mich auf?)
Diese sechs Stichpunkte finden sich auf dem Plakat eines Baumes wieder, das für alle gut sichtbar aufgehängt wird.
Warum gerade ein Baum? Der Baum symbolisiert Wachstum und Entwicklung, Fruchtbarkeit und Erneuerung, den Lebenszyklus und die Vergänglichkeit. Er repräsentiert eine Wandlungsfähigkeit, mit der Gott auch uns Menschen ausgestattet hat.
Zu den sechs Stichpunkten sollten die Anwesenden auf Moderationskarten konkrete Situationen aus ihrem Leben notieren. Nach einigen Minuten wurden die Karten gemeinsam besprochen. Im Zuge des Austausches gab es viele „Aha-Erlebnisse“ und angesichts des Repertoires, das Einzelnen zur Verfügung steht, auch Ideen, etwas für sich selbst zu übernehmen.
Die Durchführung des Trauergesprächskreises endete mit einer Phantasiereise über einen lebendigen Baum mit rauschenden Blättern, an dessen Stamm ich mich anlehnen, ausruhen und neue Kraft schöpfen kann.
Der Trauerkreis kann auch mit einem tröstlichen Bibelzitat abgeschlossen werden, das über die Zeitlichkeit hinausreicht: „Und der Engel zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes, mitten auf ihrer Straße und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.“ (Offenbarung 22, 1-2)
Abschließend werden dem himmlischen Vater Dank und Bitte in einem gemeinsamen Gebet entgegengetragen.
Wie geht es weiter?
Weil die Möglichkeit der Beauftragung von Trauerbegleiter/innen in den Gemeinden des Bezirks noch wenig bekannt ist, ist beabsichtigt, die Vernetzungstreffen weiterhin regelmäßig auf der Website des Bezirkes zu veröffentlichen.
Das nächste Vernetzungstreffen ist im Februar 2026 in der Gemeinde Berlin City-West geplant. Interessierte Geschwister können sich jederzeit gerne unter der Mailadresse trauer-info@nak-bb-west.de informieren und anmelden.
Neuapostolische Kirche